Emotionsregulation

Aktuelle Projekte im Forschungsschwerpunkt: Emotionsregulation

Emotionsregulationsstile in der Allgemeinbevölkerung
Noelle Loch, Michael Witthöft, Wolfgang Hiller

Emotionsregulation ist ein Thema von großer Aktualität. In vielfältigen internationalen Studien konnte gezeigt werden, dass Emotionsregulationsstrategien eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Behandlung psychiatrischer Störungen wie Depressionen und Angststörungen spielen. Die aktuelle Studie untersucht Emotionsregulation und deren Zusammenhänge mit Psychopathologie in der deutschen Allgemeinbevölkerung. Die Erhebung wurde als postalische Fragebogenstudie durchgeführt. Die Stichprobe wurde via Zufallsauswahl aus den Melderegistern zehn rheinland-pfälzischer Gemeinden unter Genehmigung des Landesbeauftragten für Datenschutz erschlossen. Es konnten N = 414 Datensätze in die erste Erhebung eingeschlossen werden. Deutsche Versionen zweier Instrumente zur Erfassung von Emotionsregulationsstrategien (Cognitive Emotion Regulation Questionnaire, CERQ; Thought Suppression Inventory, TSI) wurden entwickelt und erstmals erprobt. Die Überprüfung der gefundenen Ergebnisse an einer zweiten Erhebungswelle (N= 175) nach sieben Monaten sprechen für deren Stabilität. Zudem konnte ein nomologischer Überblick über die bekanntesten Emotionsfragebögen, deren Interkorrelationen und Rolle in Bezug auf unterschiedliche psychiatrische Störungen zur Verfügung gestellt werden, in dessen Rahmen auch die Einordnung von Gedankenunterdrückung in den Bereich der Emotionsregulation vorgenommen wurde. Des Weiteren konnte das Konzept der emotionalen Kaskaden um den Faktor Intrusionen erweitert werden (Rumination führt vor allem dann zu behavioraler Dysregulation, wenn viele Intrusionen vorliegen) sowie seine Gültigkeit für eine Vielzahl disinhibierter Verhaltensweisen auch im deutschsprachigen Raum belegt werden.

Veröffentlichungen:

  • Loch, N., Witthöft, M. & Hiller, W. (2010). Der Cognitive Emotion Regulation Questionnaire (CERQ) - Validierung einer deutschen Adaption in einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 39 (Suppl. 1), 61.
  • Loch, N., Witthöft, M. & Hiller, W. (2011). Der Cognitive Emotion Regulation Questionnaire (CERQ) - Erste teststatistische Überprüfung einer deutschen Adaption. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 40 (2), 94-106.

Mental Imagery, Cognitive Processes and Emotion Regulation in People with and without Affective Disorders
Stefanie Görgen, Michael Witthöft, Jutta Joormann, Wolfgang Hiller

Mentale Vorstellungsbilder negativer Ereignisse oder zukünftiger Bedrohungen sind bei psychischen Störungen ein häufiges Phänomen, insbesondere bei affektiven Störungen (Brewin et al., 1996; Brewin et al., 2010). Einige Studien konnten zeigen, dass mentale Vorstellungen zu stärkeren emotionalen Reaktionen führen als eine verbale Verarbeitung des gleichen Reizmaterials (Holmes & Mathews, 2005; Holmes et al., 2008). In einer Übersichtsarbeit zu mentalen Vorstellungen und psychischen Störungen schlussfolgern die Autoren, dass mentale Vorstellungen als "emotional amplifiers" wirken, sowohl bei positiver als auch negativer Information (Holmes & Mathews, 2010). Allerdings gibt es zu dieser Annahme wenig experimentelle Befunde. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts werden daher zwei Studien durchgeführt, deren Ziel es ist, zu untersuchen, ob sich Personen mit depressiven/hypomanen Symptomen (als Hochrisikogruppe) und Patienten mit einer affektiven Störung hinsichtlich des Effekts von mentalen Vorstellungen (im Vergleich zu verbaler Verarbeitung) auf emotionales Erleben sowie auf nachfolgende kognitive Prozesse von Kontrollprobanden unterscheiden. Um emotionale Veränderungen in Folge mentaler Vorstellungen (verglichen mit verbaler Verarbeitung) auf expliziter Ebene zu erfassen, wird die Dimension Valenz des Ratingverfahrens Self-Assessment Manikin (SAM; Bradley & Lang, 1994) eingesetzt. Zur Erfassung emotionaler Reaktionen auf impliziter Ebene wird die Affect Misattribution Procedure (AMP; Payne et al., 2005) im Anschluss an die mentalen Vorstellungen (bzw. Aufgabe zur verbalen Verarbeitung) vorgegeben. Um zu überprüfen, ob Personen mit einem Risiko für depressive oder bipolare Störungen ein Defizit bei der Hemmung von mentalen Vorstellungen aufweisen, wird der emotionale Stroop-Test (EST; Mathews & MacLeod, 1985) verwendet. Zudem hat die Untersuchung das Ziel, mögliche Zusammenhänge zwischen emotionalen Reaktionen, Hemmungsprozessen und Strategien der Emotionsregulation (z.B. Rumination, Neubewertung) zu untersuchen.

Die Datenerhebung der ersten Studie (studentische Stichprobe, N=145) wurde gerade abgeschlossen. In einer zweiten Studie, die voraussichtlich im Frühjahr 2012 beginnt, soll die genannte Fragestellung an einer klinischen Stichprobe (Patienten mit einer affektiven Störung vs. Kontrollprobanden) untersucht werden.